Chronik Eckersmühlen

Ein Streifzug vom 11. Jahrhundert bis heute

13. Dezember 1619 – "Komm heraus du Sakramentspfaff!". Dabei schlug der Schulmeister mit seinem breiten Klotz dermaßen an die Läden, dass es nicht zu sagen war. Der Pfarrer sagte: „Jederzeit habe ich für ihn alles getan und alle Eingaben zur Erlangung der Schul- und Meßnerstelle in Alfershausen verfertigt und für alles habe ich nur Undank geerntet!“ Der Schulmeister wurde deswegen vor das Amt Roth geladen und wegen grober Beleidigungen in den Turm gesperrt. Nach Abbüßung der Strafe ging es von neuem los. Der alte Wirt (wohl ein Parteigänger Drehers) schrie im ganzen Dorf die Ungerechtigkeit, die an dem Schulmeister begangen worden war, herum. Während sich die beiden konfessionellen Militärblöcke im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, die katholische Liga und die protestantische Union, sich zum letzten großen religiösen Ringen auf deutschem Boden rüsten, aus dem sich ein 30 Jahre langer grausamer Krieg entwickeln wird, prügeln sich in einem kleinen fränkischen Dorf südöstlich von Nürnberg ein Pfarrer und ein Schulmeister. Diese und andere Geschichten spielten sich vor langer Zeit in Eckersmühlen ab. Die Ortschronik einer Ortschaft im Landkreis Roth mal ganz anders. Ein Einblick in den Alltag der Dorfbewohner in früheren Zeiten im Kontext mit den Ereignissen der näheren und weiteren Umgebung.

Zeittafel

1007, 1. November
  • Gründung des Bistums Bamberg durch Kaiser Heinrich II.
um 1020
  • Eckersmühlen (damaliger Name unbekannt) vermutlich unter Lehenshoheit des Bamberger Bischofs
  • Hinweise auf Turmburg in der heutigen Ringstraße und Wassermühle (vermutlich heutiger Kupferhammer) "Auf der Wart"
um 1100 - 1105
  • Wahrscheinlich die ersten Oegger als neue Ortsherren. Bau einer ersten Kirche, dem Hl. Georg geweiht, fällt mit hoher Wahrscheinlichkeit in diese Zeit. Ebenso der Bau einer Wasserschutzburg im heutigen "Burgstall". Vermutung liegt nahe, dass die Lehenshoheit über Eckersmühlen mittlerweile von Heinrich IV. auf die Burggrafen von Nürnberg übertragen wurde
  • Erwähnung von Tautenwind, Liebenstadt und Rötenbach in Schenkungsurkunden des Pfalzgrafen Aribo für das Kloster Weißenohe. Damaliger Name Eckersmühlens vermutlich ebenfalls erwähnt. Bisher noch nicht erforscht
1226-1228
  • Erste schriftliche Nennung eines "Oggerus Miles" (Ritter Oegger) in den Zeugenlisten von diversen Schenkungsurkunden für das Kloster Heilsbronn und im Zusammenhang mit der Rückkehr des Grafen von Abenberg vom 5. Kreuzzug
  • Bau einer weiteren Wassermühle, aus der sich wahrscheinlich der Messinghammer (15. Jhdt) und die spätere Grimmsche Bronzefarbenfabrik (19./20. Jhdt), im heutigen Ortskern, entwickelte. Diese "Oeggersmül" höchstwahrscheinlich die Grundlage für den heutigen Ortsnamen
  • Eckersmühlen vermutlich erstmals eigenständige Pfarrei
um 1260
  • Gewaltsame Inbesitznahme des Dorfes durch Heinrich II. von Stein und Errichtung einer Turmburg mit Besatzung "In der Leithen"
  • Vermutliche Zerstörung der Georgskirche
um 1280
  • Vermutlich im Zuge eines Reuebekenntnisses Heinrichs II. von Stein Neuerrichtung der zerstörten Kirche und diese nun vielleicht der Hl. Walburga geweiht (Hinweis Diözesanmatrikel von 1458)
  • Eckersmühlen der Pfarrei Allersberg unterstellt
1306
  • Erste schriftliche Nennung Eckersmühlens; "Chr. de Okersmühl" in den Nürnberger Bürgerlisten
1340
  • Urkundliche Erwähnung Eckersmühlens "Seitz Probst von Oegersmül"
1363
  • Bisherige Erstnennung der Leonhardsmühle. Damals Weydenmühle
1376
  • Beginn der Grundherrschaft des Deutschen Ordens in Eckersmühlen
1385
  • Erstmalige schriftliche Erwähnung der Lösmühle (damals "Reysenleitten Mül")
  • Tod des letzten Herren von Stein und Beginn der Gebietsstreitigkeiten zwischen den Burggrafen von Nürnberg bzw. Markgrafen von Ansbach und den bayerischen Wittelsbachern
1388
  • Städtekrieg; Belagerung von Hilpoltstein; Durchzug von Nürnberger Truppen durch Eckersmühlen mit "Riesengeschütz"
um 1400
  • Einzug des Drahtzuges in Eckersmühlen und Errichtung des Messinghammers durch den Deutschen Orden
1412
  • Bisherige erste Nennung des heutigen Gasthauses "Zum Posthorn" als Schenkstatt
1416
  • Nennung eines Drahtziehers "Symon" in Eckersmühlen
1449
  • "Erster Markgrafenkrieg", Feldlager Albrecht Achilles' "zu Ockersmül"
1460
  • Zerstörung der vermuteten Walburgakirche durch Kriegshandlungen zwischen brandenburg-ansbachschen und bayerisch-böhmischen Truppen
  • Neuaufbau der Kirche und von nun an St. Willibald und St. Walburga geweiht
  • Einrichtung einer ersten Badestube
  • Ölmühle des Deutschen Ordens auf Gebiet des heutigen Eisenhammers
1485
  • Kauf der "Schenkstatt von Öckersmül" (heutiges "Gasthaus Gugel") durch den Markgrafen Albrecht Achilles
um 1524/25
  • Großer Bauernkrieg: Hinrichtungen in Roth, Greding, Schwabach auf Befehl Markgraf Kasimirs "Der Bluthund"
um 1528
  • Einzug der Reformation in Eckersmühlen
  • 14. Juni: Erarbeitung der 23 Schwabacher Visitationsartikel als Grundlage der "Confessio Augustana" ("Augsburger Bekenntnis") von 1530
1540
  • Bisherige Erstnennung des Eisenhammers in der Gotteshausrechnung Roth: "Meister Linhart vom Eisenhammer"
    Dieser ist im Vertrag mit dem 1540 eingestellten Pfarrer, Stephan Wermut, als Mitglied "Meister Linhart Paur vom Eisenhammer" der Abordnung "aus Ockersmül" genannt
um 1547/48
  • Spanische und neapolitanische Truppen Kaiser Karls V. vor Hilpoltstein und Heideck; Evangelische Pfarrer halten Messe zwangsweise in Latein ab.
1552/53
  • "Zweiter Markgrafenkrieg" - Brandschatzung (Erpressung) des Gebietes Hilpoltstein-Allersberg-Heideck durch Markgraf Albrecht Alcibiades; mit 25.000 Gulden belegt
  • Eckersmühlen mit Geschwader markgräflicher Reiterei belegt
1562
  • Übertragung des Eisenhammers vom Ansbacher Markgrafen an Meister Michael Peßmüller als Erbrechtslehen
1580/81
  • Suspendierungsverfahren gegen Ortspfarrer Stephan Riederer
1586
  • Erstnennung einer jüdischen Kaufmannsfamilie im Dorf; Nachweisbar bis 1648/68
1615, 9. November
  • Errichtung des ersten Schulgebäudes in Eckersmühlen (Schulwesen bereits in den 1580er Jahren)
1631/32
  • Plünderung und Zerstörung eines Großteils des Dorfes durch Tillys "Kroatische Reiter"
1696
  • Feuersbrunst in Eckersmühlen. Das Feuer brach im Deutschordensmessinghammer wohl aus Unachtsamkeit aus. Große Teile des heutigen Ortskerns fielen den Flammen zum Opfer. Pfarrer Pacius schreibt hierüber nebenbei in seinem Bericht anlässlich des Überfalls von 1703: "...damit dann das vorhin arme Dorf Eckersmühlen, welches erst vor 7 Jahren gänzlich abgebrannt, in äußerste Armut gebracht wurde."
1703, 12. April
  • Überfall und Plünderung durch kaiserliche Reiter des Regiments der fränkischen Reichsgrafen von Aufseß
  • Großteil der Marodeure noch in der selben Nacht vom Allersberger Pfleger gefangen gesetzt und der Generalität zur Aburteilung zugeführt
    Sie wurden zum Tod durch Erhängen verurteilt
1709/10
  • Abriss der baufälligen Wilibaldskirche
  • Neubau der Dreifaltigkeitskirche nach den Plänen des aus der Schweiz stammenden, markgräflichen Architekten Lorenzo Salle
1743
  • Zerstörung des Deutschordensmessinghammers durch das Oberamt Roth im Auftrag des Markgrafen
  • Prozess vor dem Reichskammergericht auch nach Reichsauflösung 1806 noch nicht beendet und der Rechtsstreit blieb daher offen
1764, April
  • Suspendierungsverfahren gegen Ortspfarrer Christoph Joachim Lotzbeck und Schulmeister Conrad Stahl
1791
  • Nach Abdankung des letzten Markgrafen Carl Alexander fällt Eckersmühlen an das Königreich Preußen
1806
  • Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation
  • Gründung des Königreichs Bayern; Eckersmühlen an Bayern
1814/15
  • Russische Truppen lagern zwischen Haimpfarrich und Eckersmühlen
1818
  • Eckersmühlen eigenständige Gemeinde
1866
  • Preußisch-Österreichischer Krieg; Bayern auf Seiten Österreichs; Eckersmühlen von preußischen Truppen besetzt
1882
  • Aufstellung einer freiwilligen Feuerwehr
1887
  • Einweihung des Bahnhofs
1896
  • Gründung des Krieger- und Veteranenvereins
1908
  • Gründung des Gesangsvereins "Liederkranz"
1923
  • Gründung des Turnvereins
1934-1937
  • Streitigkeiten zwischen dem damaligen Eckersmühlener Pfarrer Beckhaus mit der NSDAP-Ortsgruppenleitung Roth wegen dem Schulwesen
1944
  • Pfarrer Albrecht Helmreich in sowj. Kriegsgefangenschaft
  • Mitunterzeichner des antifaschistischen "Nationalkommitee Freies Deutschland" und einer der Mitbegründer des kirchlichen Arbeitskreises im NKFD
1945
  • Abwurf von Brandbomben auf Eckersmühlen (21.02.), keine Schäden und Bombardierung Fliegerhorst (20.04.)
  • Militärische Operationen der 17. SS-Panzergrenadierdivision "Götz von Berlichingen" im Raum Roth-Hilpoltstein-Allersberg
    April: Eckersmühlen für einige Tage Kampfkommandostand der II. und IV. / SS-Artillerie-Regiment 17
  • Einmarsch von Einheiten der 7. US-Armee in Eckersmühlen
1945-1950
  • Zuzug und Aufnahme von Kriegsvertriebenen aus Schlesien, dem Sudetenland und Ungarn
1950-1956
  • Neubau des Schulgebäudes in zwei Bauabschnitten
1954
  • Gründung des Schützenvereins "Almenrausch"
1959
  • Genehmigung des Gemeindewappens durch die Bayerische Staatsregierung
1962-1965
  • Bau und Fertigstellung des Wasserturms
1969
  • Bau der katholischen Kirche St. Elisabeth
1972
  • Inbetriebnahme der Kläranlage
1978
  • Eingemeindung nach Roth
  • Bau der Mehrzweckhalle
1999
  • Mit Richard Erdmann erstmals ein Eckersmühlener Erster Bürgermeister der Stadt Roth
2008, 1. März
  • Sturmtief "Emma" richtet schwere Wald- und Flurschäden an.
2010
  • 950jähriges Stadtjubiläum der Stadt Roth und Kirchenjubiläum in Eckersmühlen